Vorwort (für Leser außerhalb kirchlicher Kontexte)
Dieser Text richtet sich nicht gegen den christlichen Glauben, sondern an die Institutionen, die ihn vertreten wollen. Er ist kein theologisches Fachpapier und kein politisches Manifest, sondern eine persönliche, bewusst zugespitzte Diagnose kirchlicher Wirklichkeit.
Auch Leserinnen und Leser ohne religiöse Bindung werden die beschriebenen Phänomene erkennen: Machtmissbrauch, institutionelle Selbstabschottung, moralische Doppelstandards und der Verlust von Glaubwürdigkeit. Der Text argumentiert aus christlicher Perspektive, erhebt jedoch einen Anspruch, der über konfessionelle Grenzen hinausreicht: Wahrheit verpflichtet, besonders dort, wo sie öffentlich verkündet wird.
Spruch des Herrn
Ist denn in euren Augen dieses Haus, über dem mein Name ausgerufen ist, eine Räuberhöhle geworden? Gut, dann betrachte auch ich es so.
Niedergeschrieben vom Prophet Jeremia, Kapitel 7, Verse 11
Thesen
Bevor die Kirche zur Welt sprechen kann, muss sie wieder lernen, auf Gott zu hören.
Ich sehe eine wachsende Kluft zwischen dem Anspruch der Heiligen Schrift und der Realität der christlichen Kirchen. Diese Kluft ist kein Missverständnis, sondern Ausdruck strukturellen Versagens.
Ich erlebe Kirchen, die Demut predigen und zugleich Macht sichern; die Schutz versprechen, aber über Jahrzehnte Missbrauch vertuscht haben. Das ist keine Schwäche einzelner Menschen, sondern institutionelle Heuchelei.
Ich sehe Bürokratien, die sich christlich nennen, aber wie Behörden agieren: reich an Besitz, arm an geistlicher Autorität. Wo Selbsterhalt wichtiger wird als Wahrheit, verliert die Kirche ihren Kern.
Ich höre Predigten, die den Menschen gefallen wollen und deshalb Gott verschweigen. Das Evangelium wird dem Zeitgeist geopfert, Wahrheit relativiert, Sünde umbenannt und durch politische Moral ersetzt. Übrig bleibt eine fromme Sprache ohne Kraft, ohne Ruf zur Umkehr, ohne Geist.
Ich erkenne eine Kirche, die Traditionen verteidigt, aber die Freiheit des Evangeliums fürchtet. Die Ordnung wird bewahrt, während der Geist erstickt.
Ich halte es für fatal, wenn gesellschaftspolitische Positionierungen die Verkündigung ersetzen. Die Kirche ist nicht berufen, Mehrheitsmeinungen zu bestätigen, sondern geistige Wahrheit zu bezeugen.
Ich glaube, dass Glaubwürdigkeit nicht durch Reformpapiere zurückkehrt, sondern allein durch Umkehr. Nicht kosmetisch, nicht verwaltungstechnisch, sondern geistlich.
Ich bin überzeugt: Wo strukturelle Ungerechtigkeit im Namen Christi geduldet wird, wird Christus selbst verraten.
Ich schreibe dies nicht aus Distanz, sondern aus Betroffenheit. Gerade weil mir der christliche Glaube ernst ist, kann ich über diesen Zustand nicht schweigen.
Wenn die Kirchen und Gemeinden nicht radikal zum Wort Gottes zurückkehren, folgt nicht bloß Bedeutungsverlust, sondern die Abwesenheit Gottes. Wo aus dem Bethaus eine Räuberhöhle geworden ist, weicht seine Gegenwart – und der religiöse Betrieb wird zum Feld geistlicher Irreführung.
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Ich glaube, dass Gott nicht an Institutionen gebunden ist. Wo die Kirche das Wort Gottes verlässt, wird Christus sich Menschen außerhalb ihrer Strukturen sammeln – schlicht, unscheinbar und ohne kirchliche Legitimation.
Bild - Jesus und die versammelten Gläubigen
Aufforderung Jesus Christus
„Welche ich lieb habe, die weise ich zurecht und züchtige ich.
So sei nun eifrig und tue Buße.“
(Offb 3,19)
Wo das Wort Gottes richtet, fordert es zugleich Umkehr. Neutralität ist keine Option.
Ausblick – Der Weg der Umkehr
Was notwendig ist, ist ein verbindlicher, gesamtkirchlicher Akt der Umkehr. Nicht als Reformprozess, sondern als geistliche Selbstprüfung unter dem Wort Gottes.
1. Wahrheit und Verantwortung
Die Kirche bekennt öffentlich, dass sie dort, wo sie Täter schützte und Opfer zum Schweigen brachte, aufgehört hat, Leib Christi zu sein. Klerikaler Machtmissbrauch wird nicht länger als moralisches Fehlverhalten verharmlost, sondern als sakraler Verrat benannt, der zum sofortigen Verlust aller Ämter und Privilegien führt. In weltlichen Verbrechen unterwirft sich die Kirche uneingeschränkt der staatlichen Justiz.
2. Radikale Entweltlichung
Die Kirche verpflichtet sich zu einer radikalen Entweltlichung. Strukturen, Verwaltungseinheiten und Besitzstände, die allein dem institutionellen Selbsterhalt dienen und die geistliche Sendung behindern, werden aufgelöst. Die Kirche definiert sich nicht länger über ihren Status als weltliche Behörde, sondern allein über geistliche Autorität und die Armut des Evangeliums.
3. Rückkehr zur Umkehrbotschaft
Die Kirche bekräftigt, dass das Evangelium keine Anpassungskategorie an den Zeitgeist ist, sondern ein Ruf zur Umkehr (Metanoia). Sie lehnt es ab, Wahrheit zu relativieren oder Sünde in soziologische Kategorien umzubenennen, um gesellschaftliche Mehrheiten zu gewinnen. Die Verkündigung verpflichtet sich erneut dem Skandal des Kreuzes und der unverkürzten biblischen Lehre.
4. Klärung des geistlichen Amtes
Das geistliche Amt wird klar von bürokratischer Funktion getrennt. Wer ein kirchliches Amt bekleidet, ist zum Zeugnis und zur Heiligkeit berufen, nicht zur Verwaltung von Macht. Wo das Wort Gottes durch politische Moral oder menschliche Gefälligkeit ersetzt wird, verliert das Amt seine geistliche Legitimation.
5. Maßstab der Heiligen Schrift
Die Heilige Schrift wird als alleiniger Maßstab (norma normans) für alles kirchliche Handeln wiederhergestellt. Jede Tradition, jedes Kirchenrecht und jede Struktur unterzieht sich der radikalen Prüfung, ob sie den Zugang zum Wort Christi öffnet oder durch menschliche Satzungen verstellt. Wo Tradition zur Räuberhöhle für Machtinteressen wurde, muss sie weichen.
6. Distanz zur politischen Selbstbestätigung
Die Kirche zieht sich aus der Rolle einer gesellschaftspolitischen Bestätigungsinstanz zurück. Sie bekennt, dass ihr Reich nicht von dieser Welt ist, und verzichtet auf moralische Bevormundung im Namen politischer Ideologien. Ihre Aufgabe ist es, die Welt am Maßstab Gottes zu messen – nicht die Kirche am Maßstab der Welt zu korrigieren.
7. Buße und Erneuerung
Die Kirche ruft die gesamte Hierarchie und das Kirchenvolk zu einer universalen Buße auf. Sie erkennt an, dass Glaubwürdigkeit nicht durch Reformpapiere, sondern allein durch eine radikale Rückkehr zur Heiligkeit wiedergewonnen wird. Wo aus dem Bethaus eine Räuberhöhle wurde, ist die Institution bereit zu sterben, damit der Geist Christi neu wirken kann.